Geschichte der Bezirksgruppe Bergisch Land

Die Bewohner des Bergischen Landes sind seit eh und je traditions- und familienbewusst gewesen, und so ist es nicht verwunderlich, dass zahlreiche Familiengeschichten und -stammtafeln bekannter und weniger bekannter bergischer Familien bereits vor etwa 100 Jahren und mehr, vereinzelt auch früher, entstanden sind.

Die sehr stark heimatgeschichtlich verbundenen Familienforscher fanden natürlich Gleichgesinnte im Bergischen Geschichtsverein e. V., Wuppertal. Anfang der 1960er Jahre bildete sich dort ein Freundeskreis, um sich mit Familienforschung im Bergischen Land zu beschäftigen. Man überlegte, ob man sich als „familienkundlicher Arbeitskreis“ dem Bergischen Geschichtsverein anschließen sollte, entschied sich dann aber zum Anschluss an die Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde, weil in ihr gute Möglichkeiten zu erwarten waren, über Kontakte mit anderen Familienforschern in den angrenzenden Landschaften erweiterte und überregionale Forschung auf dem Gebiet der ehem. preußischen Rheinprovinz zu betreiben.

1969 kam es dann auf der Jahreshauptversammlung der WGfF zur Gründung der Bezirksgruppe Bergisch Land der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V., also vor mehr als 50 Jahren. Der Initiator, Herr Hermann W. Kießling, Wuppertal-Vohwinkel, hatte vorher zahlreiche Kontakte zu Familien- und Heimatforschern, aufgebaut. In der Gründungsversammlung erklärten siebzehn Interessenten ihre Mitgliedschaft. Herr Kießling übernahm selbstverständlich den Vorsitz und die Leitung der Bezirksgruppe, die für einen genau definierten bergisch/märkischen Raum zuständig war.

Durch diese Entscheidung erhielt die Bezirksgruppe auch die Veröffentlichungen anderer Bezirksgruppen, die ihr einen Einblick in deren Tätigkeiten vermittelte, wie die Themen ihrer Vorträge, die Ausstellungen, Fahrten usw. Das inzwischen verstorbene Mitglied August Wittkämper, das bereits seit den 1930er Jahren Mitglied der WGfF war, gab die Anregung zur Herausgabe eines eigenen Mitteilungsblattes, dessen erstes Heft im Oktober 1977, also vor mehr als 40 Jahren, erschien. Da der Beginn einen einfachen Rahmen hatte, wählte man die Bezeichnung „Die Funzel“ in Anlehnung an den Titel des bereits viele Jahre zuvor entstandenen Mitteilungsblattes der Bezirksgruppe Bonn mit dem Titel „Die Laterne“. Im Jahr 1980 wurde der „Bergische Verein für Familienkunde e. V., Wuppertal“ gegründet und „Die Funzel“, wurde mit Ausgabe Nr. 8 schon im Februar des gleichen Jahres zum Mitteilungsblatt beider Vereine. Sie wird seit Beginn an benachbarte Stadtarchive, städt. Bibliotheken, Heimat- und Geschichtsvereine und andere Tauschpartner verschickt.

Dank seiner selbstlosen und überaus rührigen Forschungstätigkeit konnte Herr Kießling aus eigenen Erfahrungen schöpfend zahlreichen Mitgliedern und anderen Interessenten wertvolle Hilfe geben. Er ist aber auch mit einer Reihe von genealogischen Publikationen über die heimischen Grenzen hinaus bekannt geworden. Der von ihm im Jahre 1970 gegründete »Bergisch-Märkische genealogische Verlag« machte auch die Veröffentlichung von Arbeiten anderer Mitglieder der Bezirksgruppe möglich. In diesem Zusammenhang sei besonders das Wirken von Frau Dr. Frida Rübens genannt. Ihr genealogischer Nachlass kann online in der Digitalen Bibliothek der WGfF eingesehen werden. Im Jahre 1974 übernahm Frau Marta Küpper die Leitung der Bezirksgruppe, bis eine schwere Krankheit ihrer Arbeit zwei Jahre später ein Ende setzte.

Am 14.09.1976 folgte Herr Rolf Kauert auf einstimmigen Beschluss der Mitgliederversammlung als Leiter der Bezirksgruppe Bergisch-Land. Dank seiner besonderen Aktivitäten, die vor allen Dingen in der Herausgabe der regelmäßig erscheinenden Mitgliederzeitschrift „Die Funzel“ bestand, konnte der Besuch der Arbeitsabende entscheidend belebt werden. Auch gelang es Herrn Kauert immer wieder, Vorträge allgemeiner und besonderer Art anzubieten, für die sich Forscherfreunde aus der näheren und weiteren Umgebung selbstlos zur Verfügung stellten.

Die Vereinsbibliothek entstand mit der Gründung der Bezirksgruppe und wurde schon 1974 vertraglich als Depositum in die Bibliothek der stadthistorischen Abteilung des Fuhlrott-Museums, Wuppertal, übernommen. Nach Schließung dieses Museums 2008 wurde der Bestand ebenfalls vertraglich als Depositum in das Stadtarchiv Wuppertal übernommen. Es hatte sich jedoch vorher schon gezeigt, dass diese Literatur weit über das Forschungsgebiet des Bergischen Landes hinausreichte, was dazu führte, dass es 1980 zu Ausgründung des „Bergischen Vereins für Familienkunde e. V., Wuppertal, kam, der sich nur mit dem engeren Wuppertaler Raum beschäftigen und dafür eine eigene, begrenzte Fachbibliothek anlegen wollte. Den neu hinzugekommenen Forscherfreunden — meist jüngere Leute, die am Anfang ihrer Forschung standen — sollten dadurch wichtige Forschungshilfen angeboten werden, die sich auf den engeren bergischen Raum beschränken sollten. Das war einer der Gründe für die Unabhängigkeit, die damals als fast zwangsläufig zur Gründung eines Schwestervereins angesehen wurde und der die Einrichtung einer eigenen Bibliothek erst ermöglichte.

Nach einem Streit, den diese Entwicklung mit sich brachte, einigte man sich jedoch schnell wieder zur Zusammenarbeit, die dazu führte, dass beide Vereine seitdem in Personalunion und zur Zufriedenheit aller Beteiligten weitergeführt wurden. So erfreulich diese Entwicklung gewesen ist, umso schwerer wurde es jedoch empfunden, als der Leiter der Bezirksgruppe und Vereinsvorsitzende, Herr Rolf Kauert und sein Kassierer, Herr Stille, im März 1986 wegen ihrer schweren Krankheiten zurücktraten. Auch diese Krise konnte überwunden werden, indem sich 1986 mit Herrn Dr. Wolfram Lang ein Forscherfreund zur Verfügung stellte, der nach seiner Wahl beide Vereinigungen leitete. Er schuf damit eine Vorbildfunktion, die bis heute anhält und von seinen Nachfolgern, Herrn Dr. Michael Knieriem (1998–2001), Herrn Lutz von Scheidt (2001–2014) und Herrn Hans-Friedrich Kartenbender ab 2014 gerne übernommen wurde.

Von Beginn an wechselten die Tagungsorte der Bezirksgruppe. Kleinere Zusammenkünfte wie die Vorstandssitzungen fanden meist in privater Atmosphäre in einem Freundeskreis in den Privatwohnungen statt. Für größere Treffen wie die Vereinsabende konnte der Verein stets auf Räumlichkeiten in verschiedenen Räumlichkeiten der Stadt Wuppertal oder in kirchlichen Einrichtungen zurückgreifen.

Hans-Friedrich Kartenbender